Léonide

 

Phantastischer Roman, 220 Seiten (Sieben-Verlag)

Taschenbuch: 14,90 Euro (März 2013)

eBook: 8,99 Euro (März 2013)

 

Klappentext

Die neunzehnjährige Léonide Géroux wächst im Arles/Südfrankreich des 19. Jahrhunderts im Haus ihrer Eltern auf. Als ihr Bruder, der Maler Willem Géroux, in der Hitze des mediterranen Sommers dem Fieberwahn verfällt, beschließt sie, den renommierten, aber ebenso gefürchteten italienischen Mediziner und Alchimisten Costantini um Hilfe zu bitten. Nach und nach beginnen Wahn und Wirklichkeit zu verschwimmen. Wer ist Costantini und welche Rolle spielt er in Willems Leben? Als Léonide sich auf die Suche nach Antworten macht, begegnet sie nicht nur der Liebe, sondern auch dem Tod.

 

Leseprobe

Als ich mich um Mitternacht zu Fuß auf den Weg zum Amphitheater mache, hängt noch immer die Hitze des Tages in der Luft. Ich, die ein solches Wetter in einem Landstrich, der normalerweise im Licht der mediterranen Sonne schläft, nicht gewöhnt ist, habe die meiste Zeit damit verbracht, dem Abend und meinem Vorhaben entgegenzufiebern, das so vieles entscheiden wird.

Die Dunkelheit macht mir nichts aus, im Gegenteil, sie verleiht meinen Schritten eine Sicherheit, die sie tagsüber nicht haben. Ich fühle mich weniger beobachtet, und an den Körperstellen, die sonst schweißverklebt sind, spüre ich nun nur angenehme Trockenheit. Eine Brise stellt meine Nackenhaare auf und ich lausche, doch die Nacht tut mir nicht den Gefallen, mir ihre Geheimnisse anzuvertrauen.

Ich denke wieder an meinen Bruder Willem, an seinen Zustand und daran, dass das Glück der gesamten Familie von meinem Plan abhängt. Costantini gilt als Geschäftemacher, als habgieriger Halsabschneider, doch es heißt auch, er sei einer der fähigsten Mediziner und Alchimisten Frankreichs. Er hat sich bereiterklärt, mir eine Medizin zuzubereiten, um meinem Bruder zu helfen – allerdings zu einem Preis, den ich nicht bezahlen kann. Ich habe zugestimmt, erscheint es mir doch als der einzige Ausweg. Das wenige Geld, das ich besitze, trage ich in einem kleinen Lederbeutel an meinem Gürtel bei mir. Ich hoffe, dass Costantini mir das Medikament auch zu einem geringeren als dem vereinbarten Preis überlassen wird, denn er hat es speziell für meinen Bruder gemischt und kann es vermutlich nicht anderweitig verwenden.

Als ich in die nächste Gasse einbiege, taucht das Amphitheater vor mir auf. Der helle Stein der römischen Ruine scheint trotz der Dunkelheit aus sich selbst heraus zu leuchten. Je näher ich dem Ende der Gasse komme, desto höher wächst die Ruine aus dem gepflasterten Boden. Als ich schließlich aus der Gasse trete, weitet sich das Bauwerk zu den Seiten aus, als habe jemand einen Vorhang beiseite gezogen.

In der Luft liegt der Geruch von Staub, Urin und Lavendel. An vielen Türen hängen Bündel von Blüten, die die Hausbewohner gegen die schlechten Gerüche angebracht haben. Ich steige die Stufen zum Amphitheater hinauf und betrete es durch einen der weißen Steinbögen. Es ist ein magischer Ort, dem, obwohl er im Laufe der Jahrhunderte den zerstörerischen Kräften der Zeit ausgeliefert war, das Gewühl der Menschen nichts anhaben konnte. Er hat schon existiert, als die Römer noch große Teile Europas beherrschten – ein Schauplatz blutiger Kampfspiele, deren Überreste bis heute in Form des Stierkampfs erhalten geblieben sind, der noch immer hier stattfindet –, hat Kriege und Naturkatastrophen überdauert und wird auch in Zukunft existieren, wenn von mir und meiner Familie nichts mehr übrig ist.

 


 

Cedars Hollow

Phantastischer Roman, 200 Seiten (Sieben-Verlag)

Taschenbuch: 14,90 Euro (März 2009)

eBook: 5,99 Euro (Juni 2012)

 

Klappentext

Nach dem mysteriösen Tod ihrer Mutter findet sich Hazel in einer Welt aus Schweigen und Mitleid wieder. Einziger Lichtblick in einem immer schwerer zu ertragenden Alltag ist ihre Freundschaft zu dem charismatischen Dave, den sie am Tag der Beerdigung ihrer Mutter zum ersten Mal trifft. Bald entdeckt Hazel jedoch, dass sich mehr hinter Dave verbirgt, und dass das Leben im beschaulichen britischen Städtchen Cedars Hollow gefährlicher ist, als sie es je erahnen konnte. Und was hat es mit dem Jungen auf sich, der Hazel auf Schritt und Tritt verfolgt? Die beiden jungen Männer sind so gegensätzlich wie Blut und Wasser, und doch haben sie etwas gemeinsam. Ein Hauch unheimlicher Faszination umgibt sie, der Hazel magisch anzieht. Als die Ereignisse bedrohlich werden, weiß Hazel nicht mehr, wem sie noch vertrauen kann. Sagen Vampire überhaupt jemals die Wahrheit?

 

Leseprobe

Der Sarg senkte sich geräuschlos in die Grube. Schweigend beobachtete ich ihn, bis dunkle Erde mir die Sicht versperrte. Der Brief, den ich an meine Brust gepresst hielt, war ein Abschiedsbrief, damit meine Mutter mich nicht vergessen würde.
Mein Vater trat vor. Seine Miene verhärtete sich, als er in die Grube blickte. Er presste die Lippen zu einem Strich zusammen, dann warf er die Rose, die er bei sich trug, in die Grube. Eine Handvoll Erde folgte. Er flüsterte etwas, aber ich konnte ihn nicht verstehen. In meinen Ohren rauschte es.
Ich sah nichts weiter als ein Meer aus trauernden Gesichtern, blass und kühl. Mein Herz hämmerte und mir wurde übel, als ich vortrat. Der Sarg lag nun in der Grube, die sich in die Tiefe erstreckte wie der Schlund eines Ungeheuers.
Das Rauschen in meinen Ohren wurde lauter. Ein einzelner Regentropfen fiel auf meine Wange, ein zweiter folgte. Ich versteinerte dort, wo ich stand. Wie aus weiter Ferne hörte ich das Murmeln der Trauergäste, das durch die Reihen ging.
Der Brief entglitt meinen zitternden Händen und fiel zu Boden. Ich starrte hinüber zur Friedhofsmauer und dem schmiedeeisernen Eingangstor.
Dort sah ich ihn zum ersten Mal.
Er war kaum mehr als ein Junge, blass und unscheinbar. Seine Figur wirkte sehnig und schlank, und er hatte rötlich braune Haare. Er blickte zu uns herüber, dann fixierte er mich. Ich wartete einen Augenblick, ob er vielleicht zu uns herüberkommen oder irgendetwas anderes tun würde. Aber er rührte sich nicht vom Fleck, lehnte sich gegen das Eisentor und verschränkte die Arme vor der Brust. Es schien, als wartete er auf etwas.
Hazel, hörte ich deutlich die Stimme meiner Mom. Hazel, komm zu mir.
Doch meine Mutter war tot, und mit ihr war alles gestorben, was mir etwas bedeutet hatte.
Meine Knie gaben nach und ich fiel auf die feuchte Erde. Über mir hörte ich wispernde Stimmen. Mit einem Gefühl, das Erleichterung ähnelte, schloss ich die Augen und wartete auf das Ende.

Ich machte mir Sorgen. Mom war noch nicht vom Einkaufen zurück, seit Stunden war sie unterwegs. Das sah ihr nicht ähnlich. Ich versuchte mich abzulenken, ertappte mich aber immer wieder dabei, wie ich Blicke aus dem Fenster oder zur Haustür warf.
Das Telefon klingelte und ich stand auf und nahm den Hörer ab.
Die nächsten Minuten vergingen wie im Traum. Ich hörte, was der Polizeibeamte am anderen Ende der Leitung sagte, doch seine Worte drangen nicht bis in mein Bewusstsein vor. Mein Körper wurde taub. Ich atmete nicht.
„Es tut mir sehr leid“, sagte der Polizeibeamte.
Ich legte mit zitternden Händen auf. Ein Nebelschleier senkte sich auf mich und drückte mich nieder. Die Realität verschwamm vor meinen Augen wie ein Traumgespinst.
Tot. Mom. Tot.
„Nein“, flüsterte ich und schüttelte energisch den Kopf, während die Wahrheit langsam in mein Bewusstsein sickerte.
Der Nebel verschlang mich. Übelkeit stieg in mir auf, als ich daran dachte, was der Polizist mir erzählt hatte.
Man hatte sie in einer kleinen Seitenstraße am Rand der Stadt gefunden, weit entfernt vom Supermarkt. Ihr Hals war von Bisswunden übersät gewesen, als hätte ein wildes Tier sie angefallen. Mord schloss die Polizei nicht aus.
Sie war noch nicht alt gewesen, gerade einmal einundvierzig.
Ich weinte, bis meine Augen keine Tränen mehr hatten, die sie vergießen konnten.
Mom war fort.

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© 2012 Charlotte Schaefer - Autorenhomepage | kontakt@charlotteschaefer.net